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  • ROMAN SAXER

BERICHT


Ein kleines Team vom Vereinlife (Alice, Martin und der Schreibende) reisten zusammen mit Sai Pai - unserem Mann vor Ort - im März für zwei Wochen durch ein sich rasant veränderndes Myanmar. Wir erlebten ein Land, das nach 60 Jahren militärisch dominierter Regierung den friedlichen Übergang zur ersten frei und offen gewählten zivilen Administration vollzog. In Yangon geht der ungebremste Bauboom in atemberaubendem Tempo weiter. Alle sechs Monate bietet sich dem kundigen Reisenden ein neues Stadtbild. Mit einer Zeitreise von über 60 Jahren katapultiert sich Myanmar aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts in die digitale, globalisierte Gegenwart. In den Städten und an den gesellschaftlich urbanen Oberflächen ist dies allgegenwärtig. Auf dem Lande bleibt die Zeit meistens noch unberührt von der Moderne stehen.

Trotzdem können sich die vielen kulturellen und spirituellen Traditionen und Gebräuche der einzelnen Völker und Ethnien behaupten - wenn nicht gar verstärken. Veränderung ist verbunden mit Verunsicherung, und viele Menschen finden Halt in ihren verschiedenen traditionellen Wurzeln. Myanmar ist ein stolzes, mächtiges und sehr tiefgründiges und spirituelles Land. Es ist ganz normal, dass ein städtischer junger “hip-hoper“ mit gefärbten Haaren und westlicher Kleidung in der Pagode vor seinem Buddha auf die Knie geht und betet. Genauso normal ist es, dass der an der Armutsgrenze lebende Trisha-Fahrer ein gebrauchtes Handy besitzt und im Internet surft.

Wir besuchten unsere Schule im Delta und wurden sehr herzlich empfangen. Das Gebäude ist in sehr gutem Zustand. Nur der Boden muss etwas renoviert werden, da an einigen Stellen der Beton bröckelt. Der Mönch und der ganze Schulvorstand waren vor Ort. Das Dorf liegt in einem Brack-Wasser-Gebiet und das Wasser aus dem Schulbrunnen ist oft leicht salzig und – selbst wenn gefiltert – mit feinem silbrigen Sand durchsetzt. Wir besuchten im Nachbardorf eine Schule, welche einen Betontank hat. Hier werden während der Monsoon-Zeit 50‘000 Gallone Regenwasser gesammelt (ca. 190`000 Liter). Wir haben beschlossen, einen solchen Regenwasser-Tank auf unserem Schulgelände zu bauen. Dieser Tank wird über unser Schuldach während der dreimonatigen Regenzeit gefüllt. Die Kosten betragen 3000 Franken. Das Wasser, welches nicht von der Schule benötigt wird, steht dem Dorf zur Verfügung.

Mit einem Auto voller Kleiderspenden, Zahnbürsten und Hygieneartikeln aus der Schweiz reisten wir in die Chin Mountains nach Mindat, wo die meisten Einwohner noch ohne fliessendes Wasser und ohne Strom leben. Dort trafen wir unser lokales Komitee und die Franziskaner-Schwester vom Altenhospiz. Spannende Einblicke und exotische Bräuche mit einer fast vergessenen Kultur durften wir erfahren. Das Komitee - bestehend aus pensionierten Dorfältesten, Lehrern und Beamten - kümmert sich mit ganz viel Herzblut für das erste Altershospiz in ihrem Bezirk und Dorf. Wir haben via unsere guten Kontakte vor Ort einen hochmotivierten und engagierten Ingenieur getroffen und verpflichtet. Er spricht fliessend Englisch, hat in Yangon studiert und arbeitet für eine staatlich lizenzierte Baufirma, welche im Chin-State Infrastrukturprojekte baut. Zusammen mit dem lokalen Komitee ist er verantwortlich für den Bau. Das Dorfkomitee hat das leicht abfallende, am Rande des Dorfes gelegene Grundstück schon plafoniert (Bild: Begehung des Geländes) und einen Wassertank gebaut. Diese Kosten werden vom Dorf getragen und sind Teil der Abmachung, dass wir vom Vereinlife auch einen aktiven Einsatz und Teilnahme der lokalen Bevölkerung erwarten. Wir haben einen konkreten Bauplan und eine sehr gute Offerte (ca. 20 Prozent tiefer als die geplanten Kosten). Die Baufirma, der Ingenieur und das Equipment sind schon vor Ort, somit können wir die sehr teuren Transportkosten nach Mindat - welches auf 1500 Meter über Meer liegt - markant verringern. Der Baubeginn sollte noch vor der einsetzenden Regenzeit Mitte Juni erfolgen.

Mary, die Leiterin vom Kindergarten des Vereinlife in Mindat, unterrichtet ihre 30 Kinder im Alter zwischen 2.5 und 5 Jahren teilweise in Englisch. Die Schulgebühren in der Höhe von drei Franken pro Monat können von den meisten Familien nicht aufgebracht werden. Der Vereinlife ist überzeugt, mit diesem Projekt eine grosse Hilfe an die verarmten Familien zu leisten und den Kleinkindern den erfolgreichen Einstieg ins Schulleben zu ermöglichen.

Wir erlebten einmal mehr ein zeitintensives Land, ein Land im Wandel, ein Land, das anders ist als alle anderen Länder. Wir begegneten Menschen, die unerträglich arm, aber stolz und sehr herzlich sind - Menschen, die den Wandel wollen, ihre Kultur und Bräuche aber stolz pflegen. Als Beobachter und Reisende sind wir herzlichst aufgenommen und fast wie Könige behandelt worden. Vieles wird mit einem sanften Lächeln verziehen, wenn wieder einmal westliche Erwartungen und Ansichten so ganz und gar nicht mit der burmesischen Weltansicht übereinstimmen.

Euch ALLEN gebührt der ganz grosse Dank. Nur durch eure fortwährenden Unterstützungen und Spenden können wir direkt vor Ort den Menschen helfen. Die vier Studenten in Yangon, die Schüler und Lehrer im Delta, die Bewohner des Altershospiz und die Bevölkerung in Mindat, Marys Kindergarten sowie die Waisenkinder in Shwepidha und Yuzona danken euch ganz, ganz herzlich mit einem ganz grossen Kyeizu tin ba de (Dankeschön).


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